War ich zu Beginn des Google Plus Netzwerks noch vergleichsweise skeptisch was die Sinnhaftigkeit angeht, bin ich mir inzwischen sicher, dass mit dem Hangout eine echte Killer App an den Start gegangen ist. Das beweisen die unterschiedlichen Einsatzszenarien und -möglichkeiten, die schon kurz nach der Einführung des mit dem YouTube Channel des Nutzers gekoppelten Hangouts On Air, gespielt werden. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind so vielfältig, dass wir in den nächsten Wochen sicher noch einige schöne Ideen sehen werden. Auf diese Weise wird es meiner Meinung nach in sehr kurzer Zeit extrem populär werden. Dafür werden nicht zuletzt auch die großen Medienhäuser sorgen. Wie sich der Hangout sendungsbezogen sehr zielführend einsetzen lässt, hat gerade erst das ZDF mit seiner Sendungskritik zum Aktuellen Sportstudio bewiesen.

Bereits im Frühjahr gab es einen ersten Testlauf, an dem unter anderem auch der bekennende BVB-Fan Jens Matheuszik (Pottblog.de) teilgenommen hat. Im April bot der Google Hangout allerdings noch nicht den aktuellen Funktionsumfang, der die Möglichkeiten noch einmal spürbar – etwa durch öffentliche Livestreams und die automatische Aufnahme für den YouTube Channel – erweitert. Für den Hangout am vergangenen Samstag hat die Redaktion des Sportstudios mit Malte Dudd (@Bolzplatzheld), Konstantin Winkler (@konni), Alex Feuerherdt (@LizasWelt), Tim Röhn (@Tim_Roehn), Klaas Reese (@sportkultur), Max Bernhard (@maxbernhard) Blogger, Mikroblogger und Social Media Manager mit nachgewiesener Fußballaffinität und -kompetenz zusammengetrommelt. Trotz meines Berufswunschs (Fußballkommentator) aus Kindertagen und fußballerischer Tätigkeit vorwiegend im Kreisligaspektrum, würde ich mich hierzu eher nicht zählen. Dennoch war ich am Samstag dabei, weil ich mich auf den Aufruf des ZDF, sich als “einfacher Zuschauer” einzuklinken, mit einer offenbar passenden E-Mail gemeldet hatte. So durfte ich das machen, was die anderen 80 Millionen Bundestrainer in Deutschland auch mit großer Leidenschaft tun: Ich durfte sagen, wie ich es (besser) gemacht hätte.

Herausgekommen ist eine illustre und – wie ich als nicht neutraler Beobachter meine – unterhaltsame Runde, in der der Ablauf, die Inhalte und bisweilen Details der Sendung besprochen wurden. Im Gegensatz zur eigentlichen Sendung lief der Stream live im Netz und gab so allen Zuschauern die Möglichkeit, sich über Kommentare zu beteiligen. Dieser Part ist sicher noch ausbaufähig. Der Fokus lag eindeutig auf der Gesprächsrunde, die – wohl auch, weil es ein solch zusammengewürfelter Haufen war – noch keine lebhafte Diskussion aufkeimen ließ. Hierzu sei jedoch angemerkt, dass Teile der Runde ab der 36. Minute ohne ZDF-Beteiligung weiter diskutiert haben. Offenbar gibt es doch noch so etwas wie die “Schere im Kopf”, denn kaum war die Redaktion nicht mehr auf dem Screen, wurde es interaktiver und an manchen Stellen auch noch konkreter – etwa was den Sendeablauf anging. Für das ZDF nochmal zum Mitnehmen: Nach der Ankündigung des Bundesligablocks, wurde auch ein kurzer Beitrag zum Spiel des FC Valencia (dem nächsten Champions League Gegner des FC Bayern) in die Spielberichte aufgenommen. Wirklich verstanden hat das von den Beteiligten des Hangouts niemand.

Doch zurück zur Bewertung des Formats. Entgegen der bisherigen Praxis – “der Experte steht später noch im Chat zur Verfügung” oder “schreiben Sie uns eine E-Mail” – bietet das Hangout eine nahezu perfekte Möglichkeit, einzelne Sendungen ins Social Web zu verlängern. Ob als Sendungskritik, Diskussionsfortsetzung, Faktencheck oder als Verzahnung mit Live-Sendungen (man denke nur an die After-Show-Party von Wetten, dass…?) – die Einsatzmöglichkeiten sind weit gefächert. Das betrifft übrigens auch die Integration der Hangouts in Live-Formate. Sei es durch die Einbeziehung von Experten (wie es die Huffington Post macht) oder Zuschauern (wie ich es bisher noch nirgends gesehen habe). Aber: Wir befinden uns noch ganz am Anfang und im Experimentierstadium. Ich prognostiziere aber schon jetzt, dass der Interaktionsgrad von TV-Sendern über diesen Weg sichtbar zunehmen wird und wir in den nächsten Monaten und Jahren völlig neue Formate erleben werden, die durch Hangouts & Co erst möglich werden. Spannende Zeiten! Umso schöner, am Beginn dieser neuen Ära diese Chance erhalten zu haben.

Danke , ZDF (im doppelten Sinn)!

Der Artikel wurde zuerst in etwas abgewandelter Form auf dem Blog von pr://ip veröffentlicht.

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Christoph Salzig Hat hier 2 Beiträge verfasst.

Christoph Salzig ist Inhaber der Kommunikationsberatung pr://ip - Primus Inter Pares. Wie der Name nahe legt, hat sich das Team auf die Kommunikation mit digitalen Schwerpunkten spezialisiert. Der studierte Kommunikationswissenschaftler (Jahrgang 1969) war bis 2008 Pressesprecher des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. Heute berät er Unternehmen der digitalen Wirtschaft, Veranstalter, Organisationen und Medienkonzerne. Er ist Autor, Referent, Trainer, Dozent, Moderator und bloggt und schreibt regelmäßig für unterschiedliche Blogs und Fachmedien. Sein Engagement rund um den Deutschen Webvideopreis und verschiedene Livestreaming-Formate, die bei (VIP-)Events oder im Kontext klassischer Medien zum Einsatz kommen, verbindet ihn mit dem Thema Bewegtbild und Social TV.