Im Fernsehen waren die Fußball-Europameisterschaften 2012 in Polen und der Ukraine ein Hit, das Erste erreichte im Schnitt 15,02 Millionen Zuschauer bei der Übertragung seiner 16 EM-Spiele (Marktanteil: 52,0 Prozent). Die Euro 2012 war auch die erste Social-Media-EM. Dennis Horn (WDR), Christoph Rieth (MDR), Björn Szostak (ARD.de) und ich haben als Social-Media-Team der Sportschau unseren Teil dazu beigetragen.
Rückblick: Unsere erste Amtshandlung am 26. Mai 2012 war: „den Larry machen“. Larry heißt das Maskottchen von Twitter, der kleine blaue Vogel. Er hing während der EM vor den Räumen 353 und 355 im Vierscheibenhaus des WDR in Köln. Darunter: “@dennishorn – @tmsklein – @favoRIETH – @bjoernstar” – unsere Nutzernamen bei Twitter. Mit denen wir uns übrigens oft auch im Gespräch anreden.
Die Zielsetzung: mit möglichst vielen Usern kommunizieren bzw. ihnen vielfältige Möglichkeiten anbieten, sich inhaltlich zu beteiligen. Gemeinsam die EM erleben.
Unser Angebot: ein Mix aus Information, Unterhaltung und Service. Jeden Tag, von morgens bis nachts.
Unsere Ausspielwege: der sportschau-Euroblog, der sportschau-Facebook-Account, der Twitter-Kanal @sportschau_em12, die Social-Viewing-Plattform der ARD-Mediathek sowie Teletwitter im ARD-Videotext.
Das Euroblog – Die Social-Media-Arena
Die zentrale Plattform unserer Arbeit war das Sportschau-Euroblog. Darin haben wir Beiträge von Nutzern, anderen (Sozialen) Medien und sportschau.de angeboten. Berichtet haben wir über alles Wichtige und Diskussionswürdige. Das Beste aus dem Netz also: oft unterhaltend, noch öfter subjektiv und häufig mit ironischem Blick. Das war spannend, weil unsere Nutzer und auch wir die EM so aus vielen verschiedenen Perspektiven erleben konnten – und nicht nur aus Sicht der Reporter von ARD und ZDF.
Wer unserem @sportschau_em12-Channel gefolgt ist, bekam eine EM-Rundumbetreuung. Dort liefen alle EM-News, wir haben die Spiele live kommentiert und Fragen der Nutzer beantwortet – womit wir auch immer wieder zu einer zweiten Zuschauerhotline wurden. Gerade das machte es so spannend: Wir waren so nah an unseren Zuschauern, Zuhörern und Nutzern dran, wie es bisher gar nicht möglich war.
Und die sparten nicht mit Lob – aber auch nicht mit Kritik. Jeder Fehler, jeder diskussionswürdige (und oft auch diskussionsunwürdige) Kommentar, den wir oder die TV- und Hörfunk-Kollegen On-Air machten, wurde uns unmittelbar zurückgespielt.
Ein weiterer sehr wichtiger Service war der des Sportschau.de-Kollegen Marcus Bark. Über Wochen war er zusammen mit der deutschen Nationalmannschaft unterwegs und twitterte hautnah als @Reporter_vorOrt aus Polen und der Ukraine. Seine 7×140 Zeichen – Twitter-Interviews sind auch im Sportschau-Euroblog in aufbereiteter Form nachzulesen.
Die Berichterstattung/Kommunikation, die wir täglich bei Twitter von morgens bis nachts angeboten hatten, war von großer Bedeutung – nicht zuletzt auch, weil dort besonders viele Kollegen anderer Medien und damit weitere meinungstarke und -machende Multiplikatoren unterwegs waren. Offenheit in der Kommunikation zahlt sich dabei besonders aus, ebenso ist Authentizität gefragt.
Dass diese Strategie aufgegangen ist, zeigt auch die Auswertung des Social Media Monitorings von Radian 6. Demnach war @sportschau_em12 der am meisten retweetete und erwähnte Twitter-Channel zur EM in Deutschland.
Social Viewing
Beim Social Viewing zündeten wir bei den ARD-Übertragungen in der ARD-Mediathek ein “Lagerfeuer 2.0″: Direkt unter dem Livestream waren die Kommentare der User zum Spiel eingebunden. So war weder ein zusätzliches Gerät noch eine App notwendig, um laufend zwischen Spiel und Social Media-Kanälen hin- und herzuzappen – wir haben einfach alles auf einmal geliefert.
Während der Spiele nutzten im Schnitt zwischen 50.000 und 80.000 Fans gleichzeitig diesen Service – und zwar über die gesamte Spieldauer. Nicht alle „Social Viewer“ beteiligen sich an den Diskussionen, bei jedem Spiel liefen aber regelmäßig einige tausend Kommentare ein, von denen wir die besten ausgesucht und veröffentlicht haben.
Teletwitter
Beim Teletwitter diente der ARD-Videotext als Auspielweg. Es ist die einfachste und niedrigschwelligste Form des Social TV. Es reicht, sich einfach gemütlich vor den Fernseher zu setzen. Wenn gespielt wurde und die Zuschauer wissen wollten, was das Netz zum Spiel zu sagen hatte – Seite 777 anwählen genügte.
Wer selbst mal in der Teletwitter-Box am unteren Bildschirmrand auftauchen wollte, konnte mit dem Hashtag #ard777 mittwittern.
Bei Facebook wollten wir mit unseren Posts Kommunikation, d.h. Diskussionen auslösen und damit meinungsbildend wirken. Aber auch Stimmungen aufgreifen und Emotionen transportieren. Mehr als 370.000 Fans hat der Sportschau-Kanal – genug, um ein gehöriges Maß an „Buzz“ auszulösen. Sei es, indem wir nach dem Spiel die Liveticker-Statistiken der Spiele gepostet hatten und die Nutzer zu eigenen Analysen animierten oder verschiedene Aufstellungsvarianten bzw. die Ergebnisse des „Spielerzeugnisses“ zur Diskussion stellten. Beim Spielerzeugnis konnten unsere User die Nationalspieler mit Schulnoten bewerten.
Der Sportschau-Facebook-Kanal war auch die Diskussions-Plattform für Waldis Club. In der Sendung wurden und werden ausgewählte Posts von Waldemar Hartmann und/oder Matze Knop präsentiert.
Ein wesentlicher Vorteil von Facebook: hier erreichen wir vor allem die ganz junge Zielgruppe – zwei Drittel der User sind im Altersbereich von 13-24 Jahren. Auch hier lagen wir mit unserem Ansatz richtig. In der 24, 25. und 26. Kalenderwoche belegten wir im Social-TV-Monitor von Goldmedia jeweils den zweiten Platz.







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