Mich und “Wetten, dass …?” verbindet eine ganze Menge – die Erinnerung an viele Samstagabende zusammen mit meinen Eltern vor dem Fernsehen, als wir Kandidaten die Daumen gedrückt haben, und ich dem Auftritt meines Superstars entgegenfieberte. Doch irgendwann kam der Punkt, an dem ich den Spaß an diesem Format verloren habe. Der Showact entsprach nicht mehr dem eigenen Musikgeschmack, die häufig eher anstrengende Art von Thomas Gottschalk trat in den Vordergrund, die Witze des Moderators erreichten Teppichboden-Niveau, und ich habe am Samstagabend nur noch selten bei “Wetten, dass …?” eingeschaltet.

Neue Chance, neues Glück: Änderungen am Format, ein neuer Moderator und die Aussicht darauf, dass ”Wetten, dass …?” ein wenig mehr “social” geworden ist, waren Grund genug, doch einmal wieder einzuschalten.

Um eines direkt vorwegzunehmen: Markus Lanz hat sich tapfer geschlagen und hat sogar Spaß gemacht! Für ihn persönlich scheint die Premiere geglückt. Das kann man leider bei allen Bemühungen des ZDF von dem Social-TV-Versuch nicht uneingeschränkt behaupten.

(Bildquelle: (CC BY-NC-SA 2.0) André Goerres | flickr.com)

Vom Social-TV-Versuch enttäuscht

Ich nahm die Sendung zwar nicht wie Markus Hündgen unter Tränen zur Kenntnis, wohl aber mit einer Portion Enttäuschung. Mit meinem iPhone und leider nicht mit meinem iPad vor dem Fernseher sitzend wurde ich das erste Mal enttäuscht, als ich mit meinem Smartphone versuchte, die Web-Applikation der Sendung aufzurufen. Man wies mich in einer Meldung darauf hin, dass die App ausschließlich für Tablets optimiert sei. Schade und verbesserungswürdig.

Aber auch in meiner Twitter-Timeline klagten viele Zuschauer unter anderem über Probleme mit der App, über zu geringe Zeitspannen für die Abstimmungen und Schwierigkeiten beim Aktualisieren. Über die technischen Schwierigkeiten und welche Verbesserungen der Mainzer Sender vornehmen könnte, erschienen heute auf LEAD digital zwei Beiträge.

Second Screen mit zusätzlichen Informationen

Über mein iPhone konnte ich (auf der Seite der ZDF-Mediathek) immerhin weiterführende Informationen zur Sendung – zum Beispiel zu den einzelnen Wetten und Kandidaten – abrufen, das muss ich an dieser Stelle lobend erwähnen.  Auch Guido Bülow ist dies positiv in Erinnerung geblieben. Doch Informationen allein genügen nicht.

Stichwort Interaktion

Wer konnte, nutze die Web-Applikation, die anderen tauschten sich auf der Facebook-Fanpage oder über Twitter aus. Generell kann man sagen: Das Interesse an der Sendung war riesig – ein Blick auf Twitter und den Hashtag  #wettendass genügt, um das festzustellen. Den Zuschauern kann man also keinen Vorwurf machen. Sie haben das Angebot genutzt beziehungsweise nutzen wollen. Auch wenn diese Sendung den Premieren-Bonus hatte, so bin ich davon überzeugt, dass sich ”Wetten, dass …?” bestens eignet, um hier das Internetangebot mit dem TV-Format zu verzahnen. Das Interesse an so einem Angebot ist da, aber “Verzahnung” ist das richtige Stichwort.

Sehr passende finde ich an dieser Stelle die Worte von Nicole Fuhr, zuständige Projektleiterin seitens der Agentur Moccu, gegenüber W&V:

“Die Verzahnung zwischen TV und Web-App ist das, was Second Screen ausmacht.”

So richtig haben Social und TV in dieser Sendung nicht zusammengefunden. Es erfolgten im Zuge der Sendung zu wenig Verweise auf die Online-Angebote. Der Hashtag wurde über die gesamte Zeit nur ein einziges Mal eingeblendet. Das Voting der Zuschauer vor der Web-Applikation blieb im Netz, statt im TV Gehör zu finden. Das ”Wetten, dass …?”-Team twitterte zwar, Dialoge mit den Zuschauern waren dennoch selten. Diese Liste könnte man noch ein wenig erweitern – muss man aber nicht.

Ehre, wem Ehre gebürt

Wer voran läuft, kann sich eine blutige Nase holen, und wer Neues ausprobiert, wird schnell merken, dass er nicht alles bedacht hat. Das ist vollkommen normal. Was ich als sehr positiv empfinde: Man merkt, dass die Macher der Sendung sich öffnen. Sie sind bereit von dem vielfach bestrittenen Weg abzurücken, neue Wege zu gehen, auch wenn dann noch ein paar Steine im Weg liegen. Das sollte man anerkennen, finde ich. Wenn sich die Redaktion, die Entwickler und Verantwortlichen nun dem Feedback annehmen und daraus lernen, ist das doch sehr erfreulich oder? Und wenn wir uns an die ersten Sendungen von The Voice of Germany zurückerinnern, dann werden wir merken: Hier lief auch nicht alles rund.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es mit ”Wetten, dass …?” weiter geht. Wobei man sich tatsächlich die Frage stellen muss, ob die Web-Applikation der Weisheit letzter Schluss ist. Ich sehe das ähnlich wie Jürgen Vielmeier.

Die Leute wollen keine eigene App dafür installieren, sie diskutieren einfach dort, wo sie ohnehin schon sind: Auf Twitter oder Facebook.

Noch ein Video-Tipp zum Abschluss: Welchen Eindruck Daniel Fiene, Thomas Knüwer, Markus Hündgen Franziska Blum und Co. von der Sendung haben, kann man in dieser Google-Hangout-Aufzeichnung erfahren:

Mehr über Christine

Christine Heller Hat hier 4 Beiträge verfasst.

Ich bin das, was viele ein Digital Native nennen. Ich liebe die Möglichkeiten des Internets, verbringe dort beruflich wie privat viel Zeit, bin dem Krimi-Genre verfallen und beobachte mit Interesse die Entwicklung des Bereichs "Social TV".